- Maß
- Merkmalsbezogen tolerieren
- Form
- Bezugssystem eindeutig angeben
- Wanddicke
- Messstelle und Mindestwert definieren
- Kostenhebel
- Nur Funktionsmaße eng setzen

Entscheidungshilfe
Toleranzangaben richtig priorisieren
| Kriterium | Zeichnungsangabe | Technische Klärung |
|---|---|---|
| Funktionsmaß | Individuelle Toleranz | Funktion und Messmethode |
| Form/Lage | Bezugsflächen und Symbolik | Spannung und Prüfaufbau |
| Wanddicke | Messpunkt oder Messbereich | Zulässige lokale Ausdünnung |
| Übrige Maße | Passende Allgemeintoleranz | Nicht unnötig verschärfen |
Wie werden Tiefziehteile gemessen?
Zuerst werden die zu prüfenden Merkmale aus der Zeichnung übernommen: etwa Durchmesser, Höhe, Rundheit, Anlagefläche oder örtliche Wanddicke. Für jedes Merkmal werden Bezug, Messbereich, Toleranz und Prüfzustand festgelegt. Erst danach wird ein geeignetes Messverfahren ausgewählt.
Taktile Verfahren erfassen einzelne Punkte oder Konturen über einen Taster; optische Verfahren messen berührungslos und können flächige Formabweichungen sichtbar machen. Zugänglichkeit, Oberfläche, geforderte Genauigkeit und Bauteilverhalten bestimmen die Auswahl. Ein optischer Außenscan allein belegt keine Wanddicke, wenn die Innenfläche nicht erfasst wird.
Warum sind Bezug und Aufspannung entscheidend?
Bei dünnwandigen Teilen können Auflage und Spannkraft das Messergebnis beeinflussen. Deshalb sollte vereinbart werden, ob das Teil frei liegend, in einer definierten Vorrichtung oder in einer funktionsnahen Einbausituation geprüft wird. Ergebnisse aus unterschiedlichen Aufspannungen sind nicht automatisch vergleichbar.
Beispiel: Soll ein Becher später über seinen Flansch abdichten, müssen Flanschbezug und Prüfzustand eindeutig sein. Eine Höhenmessung ab dem Boden beantwortet eine andere Frage als die Lage einer Dichtfläche zum festgelegten Bezug. Das Beispiel beschreibt die Prüfplanung und ist kein dokumentierter Kundenfall.
Checkliste: Was gehört in den Prüfplan für Tiefziehteile?
Die folgende Checkliste dient der Abstimmung zwischen Konstruktion, Einkauf und Fertiger. Messmittel und tatsächlich lieferbare Dokumentation werden vor dem Auftrag projektbezogen vereinbart.
- Zeichnungsnummer, Revisionsstand und eindeutige Merkmalsnummer
- Sollmaß, obere und untere Grenze oder vereinbarte Formtoleranz
- Bezugssystem, Messstelle und bei Wanddicken der genaue Messbereich
- Prüfzustand: frei, aufliegend oder in vereinbarter Aufspannung
- Geeignetes Messverfahren sowie vereinbarter Prüfumfang
- Zuordnung der Ergebnisse zu Muster, Los und Bearbeitungszustand
- Bewertung von Abweichungen und Zuständigkeit für die Freigabe
Maßtoleranzen
Maßtoleranzen müssen beim Tiefziehen immer am konkreten Merkmal bewertet werden. Engere Vorgaben können je nach Geometrie zusätzliche Kalibrier-, Nacharbeits- oder Prüfoperationen erfordern.
Formtoleranzen
Rundheit, Ebenheit und Rechtwinkligkeit hängen stark von der Werkzeugauslegung und den Niederhalterkräften ab. Wir definieren kritische Maße gemeinsam mit Ihnen in der Angebotsphase – das spart spätere Diskussionen.
Wandstärkentoleranzen
Beim Tiefziehen verändert sich die Wandstärke geometriebedingt: An Übergängen kann sie etwas dünner werden, im Flansch etwas dicker. Wandstärkenangaben sollten daher immer mit klaren Messstellen versehen sein.
Wovon hängen die Toleranzen ab?
Die erreichbare Genauigkeit ist immer ein Zusammenspiel aus:
- Werkstoff und dessen Streuung (z. B. DC04 vs. 1.4301)
- Geometrie und Ziehtiefe
- Werkzeugkonzept (einstufig vs. mehrstufig)
- Folgeoperationen wie Kalibrieren oder Beschneiden
Praxis-Tipp für Einkäufer
Markieren Sie in der Zeichnung nur die wirklich funktionskritischen Maße mit engen Toleranzen. Für alle übrigen Maße sollte eine geeignete Allgemeintoleranz vereinbart werden. ISO 2768-1 gilt im September 2026 weiterhin, befindet sich laut ISO aber in Überarbeitung; prüfen Sie deshalb bei neuen Zeichnungen den vertraglich anzuwendenden Ausgabestand.